Trauer um unseren Hund: Warum leide ich mehr als mein Partner?
- Sonja Störmer - Trauer um mein Tier

- vor 1 Tag
- 8 Min. Lesezeit

Vielleicht sitzt ihr gerade nebeneinander auf dem Sofa – und trotzdem fühlt es sich an, als lägen Welten zwischen euch. Euer Hund ist gestorben. Ein Familienmitglied. Ein Teil eures Alltags. Eurer Rituale. Eurer Beziehung. Und während dich die Trauer immer wieder überrollt, scheint dein Partner anders damit umzugehen. Ruhiger. Gefasster. Vielleicht sogar erstaunlich stabil.Und plötzlich taucht diese leise, beunruhigende Frage auf: Warum trifft mich das so viel mehr als ihn? Warum leide ich so – und er scheinbar kaum?
INHALT
Ich begleite seit vielen Jahren Menschen, die ihr Tier verloren haben – und ich weiß, wie sehr dieser Unterschied in der Trauer verunsichern kann.
Nicht nur, weil dein Hund fehlt. Sondern weil du dich in eurer gemeinsamen Trauer plötzlich allein fühlst.
In diesem Artikel möchte ich mit dir anschauen,
warum Menschen unterschiedlich trauern,
warum das nichts über die Tiefe eurer Liebe aussagt,
weshalb Nähe und Sexualität sich verändern können,
und wie ihr euch in dieser Zeit trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – wieder näherkommen könnt.
Wenn du dich gerade fragst, ob mit dir oder mit euch etwas nicht stimmt, dann lies bitte weiter.
„Wir haben doch beide unseren Hund verloren …“
Ihr wart gemeinsam unterwegs.Habt zusammen gelacht über seine Eigenheiten. Habt euch über seine kleinen Macken amüsiert.
Und vielleicht habt ihr auch gemeinsam die schwerste Entscheidung eures Lebens getroffen.
Und trotzdem fühlt es sich für dich so an, als würde dein Herz gerade viel stärker zerbrechen.
Vielleicht weinst du täglich. Vielleicht sprechen deine Gedanken ununterbrochen von ihm. Vielleicht schaust du Fotos an, riechst an seiner Decke oder sprichst noch leise mit ihm, wenn du allein bist.
Und dein Partner?
Er geht arbeiten. Er kümmert sich um Organisatorisches. Vielleicht räumt er sogar seine Sachen weg – nicht aus Kälte, sondern weil er das Gefühl hat, sonst nicht weiterfunktionieren zu können.
Und genau hier beginnt oft eine ganz stille, schleichende Distanz.
Denn wenn einer stark wirkt, fühlt sich der andere schnell „zu viel“. Zu emotional. Zu empfindlich. Vielleicht sogar beschämend in seiner Offenheit.

Unterschiedliche Trauer um ein Tier heißt nicht unterschiedliche Liebe
Ein ganz wichtiger Gedanke, den ich dir an dieser Stelle mitgeben möchte: Die Art der Trauer ist kein Maßstab für Bindung. Oder die Tiefe der Liebe.
Nur weil dein Partner weniger weint oder weniger darüber spricht, bedeutet das nicht, dass er weniger geliebt hat. Es bedeutet nur, dass er anders trauert.
In meiner Begleitung sehe ich häufig zwei grundlegende Wege, mit Verlust umzugehen.
Es gibt Menschen, die fühlen sehr sichtbar. Sie reden viel über das Geschehene, sie weinen, sie erinnern sich laut, sie suchen Nähe und Austausch.
Der Schmerz wird durchlebt, immer wieder, in Wellen.
Und es gibt Menschen, die versuchen, Stabilität herzustellen. Sie organisieren, strukturieren, kümmern sich um praktische Dinge. Gefühle werden nicht unbedingt verdrängt – aber sie werden innerlich verarbeitet, oft sehr leise und zurückgezogen.
Beides sind Schutzmechanismen unseres Nervensystems.
Manche Menschen überleben Schmerz, indem sie ihn fühlen und zeigen und teilen. Andere überleben Schmerz, indem sie ihn fühlen, eher innen tragen und nach außen hin stark handlungsfähig bleiben.
Wenn du dich also grad fragst, warum du mehr leidest – vielleicht leidest du nicht mehr. Vielleicht leidest du sichtbarer.

Wenn sich Nähe in der Tiertrauer plötzlich verändert
Was viele Paare zusätzlich verunsichert, ist die Veränderung der emotionalen und körperlichen Nähe.
Trauer wirkt nicht nur auf unser Herz, sondern auch auf unseren Körper.
Vielleicht hast du im Moment überhaupt kein Bedürfnis nach Sexualität. Dein Körper fühlt sich schwer an, müde, vielleicht sogar wie abgeschnitten von Lust. Dein Herz ist so voll von Traurigkeit, dass für Intimität kaum Raum bleibt.
Und gleichzeitig kann es sein, dass dein Partner Nähe sucht. Berührung. Körperkontakt. Nicht aus Oberflächlichkeit oder mangelndem Respekt vor der Situation – sondern weil Berührung Sicherheit gibt. Weil körperliche Nähe für ihn ein Weg ist, Verbundenheit zu spüren.
Und plötzlich stehen unausgesprochene Fragen im Raum:
Wie kannst du jetzt an Sex denken?
Oder, das genaue Gegenteil: Warum blockierst du mich komplett?
Trauer versetzt unser gesamtes System in Alarmbereitschaft.
Manche Körper ziehen sich zurück, andere suchen Verbindung. Beides ist eine normale Reaktion auf Verlust.
Gefährlich wird es erst dann, wenn ihr darüber nicht sprecht. Wenn Interpretationen entstehen statt ehrlicher Einblicke.

Die leise Gefahr in eurer Beziehung
Was ich immer wieder beobachte: Nicht die unterschiedliche Trauer selbst zerstört Nähe – sondern die Bedeutung, die wir ihr geben.
„Du bist kalt.“ „Du übertreibst.“ „Du lässt mich allein.“ „Du verstehst mich nicht.“
Dabei sitzen oft zwei zutiefst verletzte Menschen nebeneinander. Beide traurig. Beide überfordert. Beide bemüht, irgendwie mit dem Schmerz zurechtzukommen.
Nur sprechen sie unterschiedliche Sprachen der Trauer.
Eine Begegnung aus meiner Tiertrauerbegleitung
Vor einiger Zeit habe ich ein Paar begleitet, das seinen Hund nach 13 gemeinsamen Jahren verloren hatte.
Sie sagte in einer Sitzung zu ihm: „Ich habe das Gefühl, ich verliere gerade nicht nur unseren Hund, sondern auch dich.“
Und er antwortete: „Ich versuche stark zu sein, damit nicht alles zusammenbricht.“
In diesem Moment wurde spürbar, was eigentlich die ganze Zeit da war: Zwei Menschen, die beide litten. Aber jeder auf seine Weise.
Er glaubte, Stabilität geben zu müssen. Sie aber brauchte Mitfühlen und sichtbare Emotion.
Erst als sie begannen, einander ihre innere Welt zu erklären – ohne Vorwurf, ohne Verteidigung – wurde es weicher zwischen ihnen.
Nicht weniger traurig. Aber verbundener.
An der gemeinsamen Trauer um euren Hund wachsen
Vielleicht fühlt sich dieser Gedanke gerade noch weit entfernt an. Vielleicht wirkt im Moment alles brüchig und empfindlich.
Und doch erlebe ich immer wieder etwas sehr Berührendes:
Wenn Paare es schaffen, sich gegenseitig wirklich Raum zu lassen – Raum für unterschiedliche Gefühle, für unterschiedliche Geschwindigkeiten, für unterschiedliche Bedürfnisse – dann entsteht oft eine neue Qualität von Nähe.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern ganz leise.
In dem Moment, in dem einer sagt: „Ich verstehe deine Art zu trauern vielleicht nicht ganz – aber ich lasse dich so sein, wie du es gerade brauchst.“
Und der andere spürt: Ich werde nicht bewertet. Nicht korrigiert. Nicht gedrängt.
Je mehr ihr einander erlaubt, unterschiedlich zu sein im Schmerz, desto mehr entspannt sich euer gemeinsames System. Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, wer richtig oder falsch trauert. Sondern darum, dass die Liebe gleich groß war.
Und das ist der entscheidende Punkt: Unterschiedliche Trauer sagt nichts über die Tiefe eurer Bindung aus. Sie sagt nur etwas über eure Art, mit Verlust umzugehen.
Wenn dieses Verständnis wächst, wird es oft sanfter zwischen euch. Gespräche werden ehrlicher. Berührungen fühlen sich wieder sicherer an.
Und manchmal entsteht sogar eine neue Form von Intimität – eine, die auf echtem Verstehen basiert.
Nicht trotz der Trauer. Sondern durch sie hindurch.
Und wenn du beim Lesen merkst, dass genau hier euer größter Schmerzpunkt liegt – dass ihr euch eigentlich sehr liebt, aber euch gerade nicht erreicht – dann darf genau dort Unterstützung ansetzen. Manchmal braucht es nur einen geschützten Raum, um wieder dieselbe Sprache zu sprechen.

Gemeinsame Rituale – und eigene Wege
Vielleicht hilft euch ein gemeinsames Abschiedsritual.
Eine Kerze, die ihr regelmäßig anzündet. Ein Erinnerungstag. Ein bewusstes Gespräch nur über euren Hund. Viele Ideen für Rituale findest du auch in meinem umfassenden Tiertrauer-Ratgeber.
Und gleichzeitig darf jeder von euch auch eigene Wege haben: Tagebuch, Spaziergänge allein, Gespräche mit Freunden, stille Momente.
Ihr müsst nicht identisch fühlen, um verbunden zu bleiben.
Wenn du merkst, dass eure Trauer zwischen euch steht …
Dann darfst du dir Unterstützung holen.
Manchmal braucht es einen geschützten Raum, in dem beide Perspektiven nebeneinander stehen dürfen – ohne Bewertung, ohne Rechtfertigung.
In meiner Begleitung schauen wir genau auf diese Dynamiken. Nicht, um jemanden zu verändern. Sondern um euch wieder verständlich füreinander zu machen.
Wenn du spürst, dass eure Beziehung gerade leise leidet, findest du hier einen sicheren Raum.
Fazit
Vielleicht ist dein Partner nicht weniger betroffen – sondern anders organisiert im Schmerz.
Der Tod eures Hundes ist ein tiefer Einschnitt. Für jeden von euch.
Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, in dem eure Beziehung etwas Neues lernen darf: Verletzlichkeit. Ehrlichkeit. Übersetzung.
Wenn du spürst, dass du diesen Weg nicht alleine gehen möchtest – ich bin da. Ich begleite Paare dabei, einander wiederzufinden, wenn der gemeinsame Hund fehlt und plötzlich alles still geworden ist.
Von Herzen ganz viel Kraft für dich und euch.
Deine


FAQ – Häufige Fragen zur Trauer in der Partnerschaft nach dem Tod eines Hundes
Warum trauere ich mehr um unseren Hund als mein Partner?
Menschen trauern unterschiedlich. Manche zeigen ihre Gefühle offen, andere verarbeiten Schmerz stiller und funktionaler. Unterschiedliche Trauer bedeutet nicht unterschiedliche Liebe. Lies auch hier weiter: Trauer um Hund und Katze – FAQ: Deine Fragen liebevoll beantwortet
Ist es normal, dass Paare nach dem Tod eines Hundes unterschiedlich reagieren?
Ja. Sehr sogar. Jeder Mensch hat eigene Schutzmechanismen im Umgang mit Verlust. Entscheidend ist nicht, wie ihr trauert – sondern ob ihr darüber sprecht.
Kann der Tod eines Hundes eine Beziehung belasten?
Ja, das kann er. Ein Verlust bringt Stress, Unsicherheit und emotionale Überforderung mit sich. Wenn unterschiedliche Trauerstile aufeinandertreffen, kann Distanz entstehen – besonders, wenn nicht darüber gesprochen wird.
Warum zieht sich mein Partner nach dem Tod unseres Hundes zurück?
Rückzug ist oft ein Schutzmechanismus. Manche Menschen verarbeiten Trauer lieber allein oder fühlen sich überfordert von starken Emotionen. Rückzug bedeutet nicht automatisch Gleichgültigkeit.
Was tun, wenn mein Partner nicht über unseren verstorbenen Hund sprechen möchte?
Zwinge ihn nicht. Aber teile mit, was du brauchst. Ein Satz wie „Ich merke, dass ich reden muss“ kann Türen öffnen. Und manchmal braucht es zusätzlich einen geschützten Rahmen außerhalb der Beziehung.
Ist es normal, dass ich wütend auf meinen Partner bin, seit unser Hund gestorben ist?
Ja. Trauer kann sich auch als Wut zeigen – besonders, wenn du dich allein oder unverstanden fühlst. Wichtig ist, die Wut als Ausdruck von Schmerz zu erkennen, nicht als Beweis für fehlende Liebe. Finde auch hier weitere Hilfe: Trauer um deinen Hund: 5 überraschende Dinge, die jetzt helfen können
Warum verändert sich unsere Sexualität nach dem Tod unseres Hundes?
Trauer beeinflusst das Nervensystem – und damit auch Nähe und Lust. Manche verlieren vorübergehend ihr Bedürfnis nach Sexualität, andere suchen körperliche Nähe als Halt. Beides ist normal.
Wie lange dauert Trauer nach dem Tod eines Hundes?
Es gibt keinen festen Zeitrahmen. Wochen, Monate oder länger – alles ist möglich. Auch innerhalb einer Partnerschaft kann die Trauer unterschiedlich lange und unterschiedlich intensiv sein. Lies gern auch hier weiter: Wie lange dauert Trauer um ein Haustier? Was „normal“ ist - und was dir jetzt Halt gibt!
Mein Partner wirkt gefühllos – bedeutet das, dass er weniger geliebt hat?
Nein. Viele Menschen zeigen Trauer nicht nach außen. Funktionieren oder ruhig bleiben kann ein Schutz sein – kein Zeichen von fehlender Bindung.
Wir streiten seit dem Tod unseres Hundes häufiger – ist das normal?
Ja. Verlust erhöht emotionale Anspannung. Unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe, Rückzug oder Gesprächen können schneller zu Konflikten führen. Lies gern auch hier weiter, wenn du dich gerade sehr unverstanden fühlst: "Kauf doch einfach einen neuen Hund!" - Wenn niemand die Trauer um dein Haustier versteht oder hier:
Können unterschiedliche Trauerstile eine Beziehung gefährden?
Nicht die Unterschiede sind das Problem – sondern fehlende Kommunikation. Verständnis schafft Verbindung.
Kann eine Beziehung durch gemeinsame Trauer stärker werden?
Ja. Wenn ihr euch gegenseitig Raum lasst und einander versteht, kann aus der Krise sogar neue Nähe entstehen. Finde auch hier Tipps, wie du für dich mit deiner Trauer umgehen kannst: Trauer um geliebten Hund: 5 Dinge, die jetzt helfen – und langfristig stärken
Wann ist professionelle Unterstützung für uns sinnvoll?
Wenn Gespräche immer wieder eskalieren, emotionale Distanz wächst oder einer von euch sich dauerhaft unverstanden fühlt, kann eine Begleitung helfen, wieder Verbindung herzustellen. Zum kostenfreien Erstgespräch mit Sonja.





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